Irland, unweit der Grenze zwischen Nord und Süd, 1981
Okay, ich hab jetzt schon ein zweites Buch gelesen, nämlich “Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort” (OT: “Bog Child”) von Siobhan Dowd.

Ich fange wie immer erstmal mit der Covergestaltung an, die ich bei der Hardcover-Ausgabe, die ich gelesen habe, sehr schön finde, sie zeigt einen Landschaftsausschnitt, der wahrscheinlich den Handlungsort dokumentieren soll, weswegen es ganz passend ist. Die Schriftart ist auch sehr schön, da es so eine Art selbstgeschriebene darstellen soll.

Der Roman handelt von Fergus, der in Drumleash, einem kleinen Ort in Nordirland lebt, in dem jeder jeden kennt. Eines Tages finden Fergus und sein Onkel Tally beim illegalen Torfstechen im Moor die Leichen eines Kindes (deswegen der englische Titel “Bog Child”). Sie rufen die Polizei und treffen so auf Cora und Felicity O’Brien, die aus Dublin gekommen sind, um den Fall zu untersuchen. Es kommt wie es kommen muss, Fergus verliebt sich in Cora, da beide im gleichen Alter sind.

Fergus größter Traum ist ein Medizinstudium in Aberdeen, er will so schnell wie möglich weg von den Unruhen, dem Hass, der IRA und dem Hungerstreik, in den auch Fergus Bruder Joe eingetreten ist. Um ihm zu helfen verstrickt sich Fergus in einen Teppich aus Lügen, Verrat und Erpressung, er muss für die provisorische IRA Päckchen über die Grenze schmuggeln, was ihn ihn in einen Gewissenkonflikt wirft, denn was ist wichtiger, das Leben seines Bruders oder das Leben unzähliger Leute, die durch die Bombenanschläge in Londonderry sterben ?

Neben diesem Handlungsstrang gibt es noch einen weiteren, der sich mit der Leiche beschäftigt, die Fergus im Moor gefunden hat, und von deren Leben er träumt, bzw. wie es zu ihrem Tod gekommen ist.

Ich hab für das 364-seitige Buch etwa 12 Stunden gebraucht, was auf durchschnittlich 30 Seiten pro Stunde schließen lässt, was zwar auch relativ schnell ist, aber an manchen Stellen hat sich das Buch doch etwas gezogen. Das Buch ist in der 3. Person geschrieben, es gibt allerdings keinen allwissenden Erzähler, sondern man weiß immer nur so viel wie der Hauptcharakter Fergus, was ein ganz schönes Stilmittel ist, aber man ich konnte mich irgendwie nicht mit ihm identifizieren.

Der Schreibstil der Autorin ist schön, sie schreibt manchmal metaphorisch und manchmal simpel, die Landschaftsbeschreibungen sind sehr schön ausgefallen.

Mein Lieblingscharakter war Owain, ein Soldat aus Wales, mit dem sich Fergus anfreundet, obwohl es eigentlich verboten ist, sich mit dem Feind zu verbrüdern und man wahrscheinlich von der IRA erschossen wird.

Ich fand das Buch eigentlich relativ leicht zu lesen, allerdings sollte man vorher mal einen Crashkurs in Sachen Nordirland-Konflikt machen, ich war an manchen Stellen leicht verwirrt, wer jetzt katholisch, protestantisch oder sonst was ist und wer jetzt für was kämpft.

Alles in allem war “Anfand und Ende allen Kummers ist dieser Ort” ein gutes Buch, das sich zwar Zeit lässt, bevor es fesselnd wird, aber dann doch am Ende ganz spannend war. Es beschäftigt sich auch mit moralischen und ethischen Konflikten, was gut dargestellt ist und wodurch der Leser dazu animiert wird, sich selbst darüber Gedanken zu machen.