Aus der Publikationsgeschichte von Sherli
Ich gestehe: Als ich vor einigen Jahren das erste mal "The final problem" von Sir Arthur Conan Doyle gelesen habe (damals auf deutsch) war ich kurz davor in Tränen auszubrechen.
Und als die Geschichte um 1893 im Strand Magazin erschien, ging es vielen Abonnenten dieser Zeitschrift wohl ebenso, was eine breite Masse wohl auch zum Anlass nahm das Abonnement zu kündigen und sich als Zeichen der Trauer schwarze Bänder um den Oberarm zu binden.
Der Grund? "Sein letzter Fall" (wie die Kurzgeschichte in der deutschen Übersetzung heißt) war die allerletzte Geschichte über den britischen Meisterdetektiv Sherlock Holmes. (Zumindest glaubte man das zu diesem Zeitpunkt noch...)
Es ist die Geschichte, in der Holmes eines relativ plötzlichen und unvorhersehbaren Todes stirbt, indem er gemeinsam mit seinem Erzfeind Professor Moriaty in den Reichenbachfall bei Meiringen in der Schweiz stürzt. Holmes wird dabei wohl entweder ertrunken, oder aber beim Sturz auf die Felsen aufgespießt und/oder zerschmettert worden sein. Jedenfalls macht die heftige Strömung es unmöglich die Leiche zu beregen, wenn man Watsons berichten Glauben schenken darf.
Für jemanden wie mich, der "Sherli" vergöttert, ist es natürlich der absolute Supergau so etwas lesen zu müssen.
Die Geschichte ist (wie in 98% der anderen Geschichten) aus der Perspektive von Holmes Side-kick Dr. Watson erzählt. Watson beschreibt in rührender Art und Weise, wie die beiden zunächst in die Schweiz fliehen, weil jemand es auf Holmes abgesehen hat und dieser dann in seiner Abwesenheit in den Wasserfall stürzt.
Wie gesagt... ich war den Tränen nahe.
Aber warum musste Holmes eigentlich sterben? Ganz einfach: Der Autor hatte keine Lust mehr auf ihn! Die meisten der etwa 60 Kurzgeschichten erschienen in regelmäßigen Abständen von etwa einem Monat im Strand und irgendwann wurde es dem Autor zu zeitaufwendig sich ständig neue Geschichten ausdenken zu müssen. Und so sollte mit Holmes Tod die Reihe ein für alle mal beendet werden.
Später begründete Sir Arthur Conan Doyle es mit dem Ausspruch "If I hadn't killed him, he would have killed me."
Allerdings kam mal wieder alles ganz anders als beabsichtigt. Der Detektiv war einfach nicht tot zu kriegen.
Inspiriert durch die Legende über einen Geisterhund aus dem Dartmoor, wurde die Serie 1901 mit "Der Hund der Baskervilles" (der chronologisch vom "Sein letzter Fall" spielt) fortgesetzt. Fakt ist, dass der Roman zum Bestseller wurde, und Doyle sich schließlich dazu überreden lies weitere Geschichten zu schreiben. Das beachtliche Honorar das der Strand ihm dafür anbot, dürfte zu der Entscheidung beigetragen haben.
Jedenfalls kam es 1903 zu der offiziellen Widerauferstehung des Helden und sein Tod wurde literarisch revidiert. In "Das leere Haus" erklärt Doyle wie Holmes es fertig gebracht haben soll, dem sicheren Tod zu entkommen.
Netterweise stirbt Holmes am WIRKLICHEN Ende der Reihe kein zweites Mal. Alles was über sein weiteres Schicksal bekannt ist, nachdem er sich aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen hat ist, dass er irgendwo in Sussex auf dem Land lebt und dort Binen züchtet.
So werde ich mich also als nächstes dem Studium von Sherli widmen. Diesmal auf englisch, wohl aber erst nach dem schriftlichen Abitur, also in zwei Wochen.
schafu am 10. März 11
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