Eine verfluchte Familie, ein verschreckter Doktor und ein Meisterdetektiv
Wie bereits angekündigt habe ich mich in letzter Zeit ein bisschen mit Sherlock Holmes auseinander gesetzt. Die Geschichte die ich gelesen habe, ist einer der vier Romane, nämlich "Der Hund der Baskervilles" (oder: "The hound of the Baskervilles" wie der Originaltitel lautet.)
Es ist die wohl bekannteste Geschichte, das liegt meiner Einschätzung nach wohl daran, dass sie am häufigsten verfilmt wurde, weil sie dramaturgisch für Holmes ungewöhnlich viel hergibt.
Der Roman gründet sich auf eine tatsächlich existente Legende aus dem Dartmoor, nachder eine dort ansässige Familie von einem verfluchten Höllenhund verfolgt wird.
Einige Wochen nachdem der Stammhalter von Baskerville Hall, Sir Charles unter mysteriösen Umständen zu Tode kam, wird Sherlock Holmes von einem gewissen Dr. James Mortimer, dem Arzt und Freund des Verstorbenen beauftragt dessen Todesumstände aufzuklären. Dr. Mortimer sorgt sich nämlich um dessen Erben und fürchtet ihm könnte ein ähnliches Schicksal bevorstehen.
Eine seltsame Legende rankt sich um die Familie der Baskervilles. Seit vielen Generationen treten immer wieder mysteriöse Todesfälle auf und es wird gesagt, dass sie Familie verflucht sei.
Als rational denkender Mensch ist Holmes natürlich davon überzeugt, dass der Tod von Sir Charles nicht auf den mysteriösen Gespensterhund, sondern auf sein schwaches Herz zurückzuführen ist. Er hegt den Verdacht, dass ein irdischer Einfluss hinter dem Todesfall steht und jemand den Erben von Baskerville Hall aus dem Weg räumen will. Da der Meisterdetektiv sich allerdings derzeit nicht selbst um den Fall kümmern kann, wird Watson kurzerhand zur Berichterstattung ins Dartmoor geschickt...
Da ich von der englischen Version des Buches nur die 3 Tonnen schwere Ausgabe besitze (in der auch alle anderen Holmes-Geschichten drin sind) kann ich zur Covergestaltung wenig sagen. (Auf der deutschen Taschenbuch-Ausgabe von Insel ist vorne eine Kreatur abgebildet die stark an einen Beagle erinnert.) Allerdings ist meine Version mit Original-Illustrationen aus dem Strand-Magazin, in dem die Geschichte um 1900 herum veröffentlicht wurde versehen, was ich als Holmes-Freak natürlich total toll finde.
Zur Geschichte selbst: Die Hauptcharaktere muss man natürlich einfach lieben. Um das Dream-Team Holmes und Watson kommt man natürlich nicht herum. Die übrigen Charaktere sind glaubhaft und fascettenreich gestaltet und selbst bis kurz vor dem Ende ist noch nicht klar, wer denn nun der Mörder ist.
Wie immer wird die ganze Geschichte erst ganz am Schluss aufgeklärt und Holmes gibt zu Protokoll, dass er das alles natürlich von Anfang an gewusst hat. Auch ein klassisches Holmes-Element, mit dem man klar kommen muss.
Das Setting ist der wahnsinn. Jedes Mal wenn ich die Geschichte lese, grusel ich mich wieder. Das Dartmoor im Nebel, ein riesiger Geisterhund, gruselige Geräusche in der unendlich weiten Landschaft... und die Legende über einen herzlosen Vorfahren, der von einem Höllenhund die Gurgel rausgerissen kriegt. Dramatik pur.
Das Buch ist wahnsinnig spannend. Allerdings auf englisch mit Vorsicht zu genießen, denn es bedarf schon einiger Anstrengungen und Ausdauer, wenn man sich mit dem viktorianischen Englisch auseinander setzten muss (denn wie gesagt, die Geschichte ist mehr als hundert Jahre alt).
Insgesamt: Als Einsteiger-Geschichte für nicht-Holmes-Kenner gut geeignet, da keine Vorkenntnisse erforderlich sind. Ein Wahnsinns-Setting, wahnsinnig spannend. Einziger Haken: Auf die Sprache muss man sich entweder einlassen, oder sich mit der deutschen Version begnügen.
Manchmal bereue ich es richtig, dass ich das nicht dabei hatte, als ich damals im Dartmoor war. Am Originalschauplatz in der Nähe des Dartmoor-Prisons wäre der Gruselfaktor sicher noch um einiges höher.
(Es gibt übrigends mehrere Holmes-Geschichten, die im Dartmoor spielen- der Autor scheint von der Landschaft mindestens genauso fasziniert gewesen zu sein, wie ich.)
schafu am 19. März 11
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