Samstag, 19. März 2011
Eine verfluchte Familie, ein verschreckter Doktor und ein Meisterdetektiv
Wie bereits angekündigt habe ich mich in letzter Zeit ein bisschen mit Sherlock Holmes auseinander gesetzt. Die Geschichte die ich gelesen habe, ist einer der vier Romane, nämlich "Der Hund der Baskervilles" (oder: "The hound of the Baskervilles" wie der Originaltitel lautet.)
Es ist die wohl bekannteste Geschichte, das liegt meiner Einschätzung nach wohl daran, dass sie am häufigsten verfilmt wurde, weil sie dramaturgisch für Holmes ungewöhnlich viel hergibt.
Der Roman gründet sich auf eine tatsächlich existente Legende aus dem Dartmoor, nachder eine dort ansässige Familie von einem verfluchten Höllenhund verfolgt wird.
Einige Wochen nachdem der Stammhalter von Baskerville Hall, Sir Charles unter mysteriösen Umständen zu Tode kam, wird Sherlock Holmes von einem gewissen Dr. James Mortimer, dem Arzt und Freund des Verstorbenen beauftragt dessen Todesumstände aufzuklären. Dr. Mortimer sorgt sich nämlich um dessen Erben und fürchtet ihm könnte ein ähnliches Schicksal bevorstehen.
Eine seltsame Legende rankt sich um die Familie der Baskervilles. Seit vielen Generationen treten immer wieder mysteriöse Todesfälle auf und es wird gesagt, dass sie Familie verflucht sei.
Als rational denkender Mensch ist Holmes natürlich davon überzeugt, dass der Tod von Sir Charles nicht auf den mysteriösen Gespensterhund, sondern auf sein schwaches Herz zurückzuführen ist. Er hegt den Verdacht, dass ein irdischer Einfluss hinter dem Todesfall steht und jemand den Erben von Baskerville Hall aus dem Weg räumen will. Da der Meisterdetektiv sich allerdings derzeit nicht selbst um den Fall kümmern kann, wird Watson kurzerhand zur Berichterstattung ins Dartmoor geschickt...

Da ich von der englischen Version des Buches nur die 3 Tonnen schwere Ausgabe besitze (in der auch alle anderen Holmes-Geschichten drin sind) kann ich zur Covergestaltung wenig sagen. (Auf der deutschen Taschenbuch-Ausgabe von Insel ist vorne eine Kreatur abgebildet die stark an einen Beagle erinnert.) Allerdings ist meine Version mit Original-Illustrationen aus dem Strand-Magazin, in dem die Geschichte um 1900 herum veröffentlicht wurde versehen, was ich als Holmes-Freak natürlich total toll finde.

Zur Geschichte selbst: Die Hauptcharaktere muss man natürlich einfach lieben. Um das Dream-Team Holmes und Watson kommt man natürlich nicht herum. Die übrigen Charaktere sind glaubhaft und fascettenreich gestaltet und selbst bis kurz vor dem Ende ist noch nicht klar, wer denn nun der Mörder ist.
Wie immer wird die ganze Geschichte erst ganz am Schluss aufgeklärt und Holmes gibt zu Protokoll, dass er das alles natürlich von Anfang an gewusst hat. Auch ein klassisches Holmes-Element, mit dem man klar kommen muss.
Das Setting ist der wahnsinn. Jedes Mal wenn ich die Geschichte lese, grusel ich mich wieder. Das Dartmoor im Nebel, ein riesiger Geisterhund, gruselige Geräusche in der unendlich weiten Landschaft... und die Legende über einen herzlosen Vorfahren, der von einem Höllenhund die Gurgel rausgerissen kriegt. Dramatik pur.
Das Buch ist wahnsinnig spannend. Allerdings auf englisch mit Vorsicht zu genießen, denn es bedarf schon einiger Anstrengungen und Ausdauer, wenn man sich mit dem viktorianischen Englisch auseinander setzten muss (denn wie gesagt, die Geschichte ist mehr als hundert Jahre alt).

Insgesamt: Als Einsteiger-Geschichte für nicht-Holmes-Kenner gut geeignet, da keine Vorkenntnisse erforderlich sind. Ein Wahnsinns-Setting, wahnsinnig spannend. Einziger Haken: Auf die Sprache muss man sich entweder einlassen, oder sich mit der deutschen Version begnügen.
Manchmal bereue ich es richtig, dass ich das nicht dabei hatte, als ich damals im Dartmoor war. Am Originalschauplatz in der Nähe des Dartmoor-Prisons wäre der Gruselfaktor sicher noch um einiges höher.
(Es gibt übrigends mehrere Holmes-Geschichten, die im Dartmoor spielen- der Autor scheint von der Landschaft mindestens genauso fasziniert gewesen zu sein, wie ich.)


We are the superheroes you worship in movies and comic books
So, ich habe erfolgreich, nach schätzungsweise 24 Stunden (ich bin mir nicht mehr ganz so sicher, was die Zeit angeht) mein drittes Buch fertig, nämlich "I Am Number Four" von Pittacus Lore.

Ich fange jetzt erstmal mit der Covergestaltung an, die bei dem Softcover sehr schön ist, es ist nämlich ein Movie-Tie-In, die sind meistens schöner gestaltet als die normalen Ausgaben. Es zeigt den Hauptcharakter des Buches, was dann halt zum Inhalt passt.

Die Story ist relativ simpel, es geht um Aliens. Okay, hört sich jetzt schrecklich an, ist aber glücklicherweise nicht an das typische SciFi-Genre angelehnt, was gut ist. Es geht um John Smith (nein, nicht der aus Pocahontas^^), welcher im Alter von fünf Jahren von seinem Heimatplanet Lorien, fliehen musste.
Da besagter Planet von einer Horde feindlicher Spezies überfallen wurde und alle total überrumpelt waren, gelingt lediglich 9 Kindern und deren Wächtern die Flucht.
Das Besondere an diesen Kindern ist, dass sie im Laufe ihres Lebens Superkräfte entwickeln, weswegen sie die feindliche Rasse vom Gesicht der Erde tilgen will.
Okay, um diesen Plan zu realisieren, muss besagte Kinder der Reihe nach getötet werden. John Smith ist die Nummer Vier, daher der Titel.

Okay, dass ist so ungefähr die Grundstory, auf Basis derer der Autor dann auch gleich noch eine Romanze aufbauen musste. John lernt Sarah Hart kennen und es ist Liebe auf den ersten Blick.

Ich habe, wie schon zuvor angemerkt für das 440-seitige Buch so etwa 24 Stunden gebraucht, das macht also 18 Seiten pro Stunde. Der Lesefluss gut, der Schreibstil ist relativ simpel, es gibt wenig Methapern oder andere ausgefallene stylistische Mittel, der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben (außer der Prolog).

Ich fand den Schreibstil etwas platt, da hätte man sich schon mehr Mühe geben können und die Personen sind nicht so detailverliebt beschrieben, was schade ist.

Mein Lieblingscharakter war Number Six, ein Mädchen, dass zur gleichen Gruppe wie John gehört und die Elemente beherrschen kann.

Ich fand das Buch relativ leicht zu lesen, es gab keine Received Pronunciation, das Englisch war leicht, man braucht keine Vorkenntnisse von irgendwas. Aber jetzt kommt der Harken: Das Buch vorausschaubar, was enttäuschend ist, da es sehr vielverprechend anfängt.

Postiv an dem Buch fand ich, dass es eine Fortsetzung gibt und dass es auch eine Leseprobe davon im Buch gibt, die sich besser als dieser Teil anhört. Außerdem gibt es hinten im Buch so eine Art Horoskop "What's your Lorien Sign ?", was ganz lustig ist.

Alles in allem war "I Am Number Four" ein relativ seichter Roman, ich hatte da mehr erwartet, ich fand es schwer mich mit dem Protagonisten zu identifizieren und fand die Liebesgeschichte zu stereotypisch.



Donnerstag, 10. März 2011
Aus der Publikationsgeschichte von Sherli
Ich gestehe: Als ich vor einigen Jahren das erste mal "The final problem" von Sir Arthur Conan Doyle gelesen habe (damals auf deutsch) war ich kurz davor in Tränen auszubrechen.
Und als die Geschichte um 1893 im Strand Magazin erschien, ging es vielen Abonnenten dieser Zeitschrift wohl ebenso, was eine breite Masse wohl auch zum Anlass nahm das Abonnement zu kündigen und sich als Zeichen der Trauer schwarze Bänder um den Oberarm zu binden.
Der Grund? "Sein letzter Fall" (wie die Kurzgeschichte in der deutschen Übersetzung heißt) war die allerletzte Geschichte über den britischen Meisterdetektiv Sherlock Holmes. (Zumindest glaubte man das zu diesem Zeitpunkt noch...)
Es ist die Geschichte, in der Holmes eines relativ plötzlichen und unvorhersehbaren Todes stirbt, indem er gemeinsam mit seinem Erzfeind Professor Moriaty in den Reichenbachfall bei Meiringen in der Schweiz stürzt. Holmes wird dabei wohl entweder ertrunken, oder aber beim Sturz auf die Felsen aufgespießt und/oder zerschmettert worden sein. Jedenfalls macht die heftige Strömung es unmöglich die Leiche zu beregen, wenn man Watsons berichten Glauben schenken darf.
Für jemanden wie mich, der "Sherli" vergöttert, ist es natürlich der absolute Supergau so etwas lesen zu müssen.
Die Geschichte ist (wie in 98% der anderen Geschichten) aus der Perspektive von Holmes Side-kick Dr. Watson erzählt. Watson beschreibt in rührender Art und Weise, wie die beiden zunächst in die Schweiz fliehen, weil jemand es auf Holmes abgesehen hat und dieser dann in seiner Abwesenheit in den Wasserfall stürzt.
Wie gesagt... ich war den Tränen nahe.
Aber warum musste Holmes eigentlich sterben? Ganz einfach: Der Autor hatte keine Lust mehr auf ihn! Die meisten der etwa 60 Kurzgeschichten erschienen in regelmäßigen Abständen von etwa einem Monat im Strand und irgendwann wurde es dem Autor zu zeitaufwendig sich ständig neue Geschichten ausdenken zu müssen. Und so sollte mit Holmes Tod die Reihe ein für alle mal beendet werden.
Später begründete Sir Arthur Conan Doyle es mit dem Ausspruch "If I hadn't killed him, he would have killed me."
Allerdings kam mal wieder alles ganz anders als beabsichtigt. Der Detektiv war einfach nicht tot zu kriegen.
Inspiriert durch die Legende über einen Geisterhund aus dem Dartmoor, wurde die Serie 1901 mit "Der Hund der Baskervilles" (der chronologisch vom "Sein letzter Fall" spielt) fortgesetzt. Fakt ist, dass der Roman zum Bestseller wurde, und Doyle sich schließlich dazu überreden lies weitere Geschichten zu schreiben. Das beachtliche Honorar das der Strand ihm dafür anbot, dürfte zu der Entscheidung beigetragen haben.
Jedenfalls kam es 1903 zu der offiziellen Widerauferstehung des Helden und sein Tod wurde literarisch revidiert. In "Das leere Haus" erklärt Doyle wie Holmes es fertig gebracht haben soll, dem sicheren Tod zu entkommen.
Netterweise stirbt Holmes am WIRKLICHEN Ende der Reihe kein zweites Mal. Alles was über sein weiteres Schicksal bekannt ist, nachdem er sich aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen hat ist, dass er irgendwo in Sussex auf dem Land lebt und dort Binen züchtet.

So werde ich mich also als nächstes dem Studium von Sherli widmen. Diesmal auf englisch, wohl aber erst nach dem schriftlichen Abitur, also in zwei Wochen.


Montag, 7. März 2011
Irgendwo in den tiefen der Galaxis...
(Also eigentlich steht "Das Restaurant am Ende des Universums" zwar nicht auf der Liste, aber ich denke in diesem Fall kann man mal ein Ausnahme machen...)

In Band zwei setzen Arthur Dent, Ford Prefect, Zaphod Beeblebrox und Trillian ihre Odyssee durch die Galaxis fort.
Kaum vom sagenumwobenen Planten Magrathea entkommen steht die "Herz aus Gold" schon wieder unter Beschuss und die Crew sieht dem sicheren Tod ins Auge. In allerletzter Sekunde hat Zaphod den Geistesblitz eine Sience abzuhalten und seinen Urgroßvater, Zaphod Beeblebrox IV, um Hilfe zu bitten. Der hält seinem Urenkel zwar zunächst eine ordentliche Gardienenpredigt, erklärt sich dann aber scheinbar doch bereit unseren Helden den Arsch zu retten. Im Gegenzug erhält Zaphod den Auftrag den Kerl zu finden, der die ganze Galaxis kontrolliert. Als sich der durch die Sience entstandene mystische Nebel wieder verzogen hat ist Zaphod weg, die "Herz aus Gold" wird immernoch kräftig durchgeschüttelt und alle Instrumente sind tot.

Lesezeit diesmal: 4 Tage = 2,1 Seiten pro Stunde, bei angenehmem Lesefluss und keinen nennenswerten Schwierigkeiten.
Generell muss allerdings folgendes gesagt werden: An diesem Buch scheiden sich die Geister. Entweder man liebt es (so wie ich offensichtlich), oder man kann absolut gar nichts damit anfangen. Wer auf abgedrehten Weltraum-Müll ohne jeden Sinn steht, wird es auf jedenfall nicht bereuen sich an den Schinken rangewagt zu haben.
Mein Lieblingschara... tja... eigentlich dürfte auch das dem aufmerksamen Leser nicht entgangen sein. Ich liebe Zaphod Beeblebrox, weil er er einer der abgedrehtesten Charaktere ist, die mir je untergekommen sind. Nur leider glaube ich, dass das lebenskonzept "Immer mit den beiden Köpfen durch die Wand, egal was kommt" im wahren Leben leider nicht so gut funktionieren würde.
Was kann ich noch dazu sagen... der Film ist schrott. (Zumal Zaphod nur einen Kopf hat!!!) Aber es gibt eine Serie von BBC (sowohl als TV, als auch als Radio-Produktion) die den Stoff sehr gut umsetzt. Besonders gefällt mir dabei, dass (im Gegensatz zum Film), die vielen Ausschnitte aus dem Anhalter übernommen wurden und das auch noch in einer sehr ansehnlichen Art und Weise. Nein im ernst, es macht wirklich Spaß sich das anzusehen.

Soviel zu Douglas Adams... Als nächstes Opfer werde ich mir dann wohl mal Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes zu Gemüte führen.


Irland, unweit der Grenze zwischen Nord und Süd, 1981
Okay, ich hab jetzt schon ein zweites Buch gelesen, nämlich “Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort” (OT: “Bog Child”) von Siobhan Dowd.

Ich fange wie immer erstmal mit der Covergestaltung an, die ich bei der Hardcover-Ausgabe, die ich gelesen habe, sehr schön finde, sie zeigt einen Landschaftsausschnitt, der wahrscheinlich den Handlungsort dokumentieren soll, weswegen es ganz passend ist. Die Schriftart ist auch sehr schön, da es so eine Art selbstgeschriebene darstellen soll.

Der Roman handelt von Fergus, der in Drumleash, einem kleinen Ort in Nordirland lebt, in dem jeder jeden kennt. Eines Tages finden Fergus und sein Onkel Tally beim illegalen Torfstechen im Moor die Leichen eines Kindes (deswegen der englische Titel “Bog Child”). Sie rufen die Polizei und treffen so auf Cora und Felicity O’Brien, die aus Dublin gekommen sind, um den Fall zu untersuchen. Es kommt wie es kommen muss, Fergus verliebt sich in Cora, da beide im gleichen Alter sind.

Fergus größter Traum ist ein Medizinstudium in Aberdeen, er will so schnell wie möglich weg von den Unruhen, dem Hass, der IRA und dem Hungerstreik, in den auch Fergus Bruder Joe eingetreten ist. Um ihm zu helfen verstrickt sich Fergus in einen Teppich aus Lügen, Verrat und Erpressung, er muss für die provisorische IRA Päckchen über die Grenze schmuggeln, was ihn ihn in einen Gewissenkonflikt wirft, denn was ist wichtiger, das Leben seines Bruders oder das Leben unzähliger Leute, die durch die Bombenanschläge in Londonderry sterben ?

Neben diesem Handlungsstrang gibt es noch einen weiteren, der sich mit der Leiche beschäftigt, die Fergus im Moor gefunden hat, und von deren Leben er träumt, bzw. wie es zu ihrem Tod gekommen ist.

Ich hab für das 364-seitige Buch etwa 12 Stunden gebraucht, was auf durchschnittlich 30 Seiten pro Stunde schließen lässt, was zwar auch relativ schnell ist, aber an manchen Stellen hat sich das Buch doch etwas gezogen. Das Buch ist in der 3. Person geschrieben, es gibt allerdings keinen allwissenden Erzähler, sondern man weiß immer nur so viel wie der Hauptcharakter Fergus, was ein ganz schönes Stilmittel ist, aber man ich konnte mich irgendwie nicht mit ihm identifizieren.

Der Schreibstil der Autorin ist schön, sie schreibt manchmal metaphorisch und manchmal simpel, die Landschaftsbeschreibungen sind sehr schön ausgefallen.

Mein Lieblingscharakter war Owain, ein Soldat aus Wales, mit dem sich Fergus anfreundet, obwohl es eigentlich verboten ist, sich mit dem Feind zu verbrüdern und man wahrscheinlich von der IRA erschossen wird.

Ich fand das Buch eigentlich relativ leicht zu lesen, allerdings sollte man vorher mal einen Crashkurs in Sachen Nordirland-Konflikt machen, ich war an manchen Stellen leicht verwirrt, wer jetzt katholisch, protestantisch oder sonst was ist und wer jetzt für was kämpft.

Alles in allem war “Anfand und Ende allen Kummers ist dieser Ort” ein gutes Buch, das sich zwar Zeit lässt, bevor es fesselnd wird, aber dann doch am Ende ganz spannend war. Es beschäftigt sich auch mit moralischen und ethischen Konflikten, was gut dargestellt ist und wodurch der Leser dazu animiert wird, sich selbst darüber Gedanken zu machen.